Geschichte Neuzeit

Ob als Entspannungshilfe, Meditationsunterstützung oder einfach begleitend zum Gebet,

Räuchermischungen finden zu vielen Gelegenheiten Verwendung. Sogar bei Taufe, Hochzeit und Bestattung trifft man Räucherwerk an. Man sieht, Düfte von Räucher- und Kräutermischungen begleiten uns, wenn auch meist unbemerkt, das ganze Leben lang. Nicht nur die Religionen früherer Zeit oder Naturvölker benutzen das Räuchern und die heilenden, entspannenden oder teils sogar berauschende Wirkung der verglühenden Kräuter zur Huldigung ihrer Götter. Auch in den Kirchen der heutigen Zeit trifft man den gut duftenden Rauch an. Und in vielen Ländern, wie beispielsweise in Indien, wird auch heute noch aus zeremoniellen Gründen geräuchert.

In der modernen Welt, wie sie heute ist, verlor das Räuchern lange Zeit an Bedeutung. Nach der Flower-Power-Bewegung der 70er Jahre, in welcher Räuchern wieder hip, in und einfach angesagt war, war von den wohlriechenden Schwaden lange Zeit nur noch wenig zu hören. Die qualmenden und angenehm duftenden Kräuter waren der Schnelllebigkeit und dem Konsumdenken zum Opfer gefallen. Stress und Besitz traten an die Stelle von Abschalten und zu sich selbst finden.

Umso erfreulicher ist es, dass sich immer mehr Menschen wieder auf sich selbst konzentrieren, auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Und dafür auch die heilende, vitalisierende und gleichwohl entspannende Wirkung der Kräuter- und Räuchermischungen neu entdecken.

Doch gibt es auch noch eine andere Entwicklung, als die hin zur harmlosen Entspannung und dem schlichten raumfüllenden Geruchserlebnis der in einer Schale vor sich hin schwelenden Kräuter.

Man schrieb das Jahr 2005, als vornehmlich in Holland und Großbritannien begonnen wurde, Räuchermischungen neu zusammenzustellen. Die Idee dahinter war das Erschließen eines neuen Käuferkreises: Jugendliche und junge Erwachsene mit Räuchermischungen und Legal Highs. Der Plan ging auf und die neuen Mixturen lösten vor allem in den ersten Jahren einen wahren Hype unter den jungen Leuten aus. Der Verbrauch der zur Raumbeduftung gedachten Mischungen verstärkte sich abermals, als herausgefunden wurde, dass die Mixturen als Joint geraucht, eine stark berauschende Wirkung entwickeln. In Windeseile wurden Mischungen wie „Spice” und Co. bekannt und gelangten über den Internethandel auch nach Deutschland, wo sie schnell als Legal Highs bekannt wurden und als frei verkäufliche Drogen eingestuft wurden.

Aufgrund der strengen Gesetzeslage in Deutschland folgte eine Überprüfung dieser Legal Highs. Daraufhin wurde die Räuchermischungs-Serie „Spice”, trotz fehlender Langzeitstudien bzgl. etwaiger gesundheitlicher Risiken, aufgrund der in ihr enthaltenen synthetischen Cannabinoide verboten. Für die Hersteller hieß es nun, einen Ersatz für „Spice“ zu finden. Und dieser ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 2009 eroberten Kräutermischungen mit neuer Zusammensetzung den Markt und finden sich dort im praktischen 3 g-Zip-Beutel bis heute.

Für den Erwerb dieser Mixturen muss der Kunde das 18. Lebensjahr überschritten haben und auf den Homepages diverser Online-Shops und auch bei den Herstellern selbst finden sich Hinweise, dass die angebotenen Räuchermischungen nicht zum Verzehr geeignet sind und auch nicht geraucht werden sollten. Ob solche Hinweise den Endverbraucher letztendlich vom falschen Gebrauch der Räucherware abhalten, erscheint mehr als fraglich.

Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung der an sich harmlosen Raumdüfte weiter verläuft. Back to the Roots als in einer Schale schwelender Duft für Raum, Körper und Geist oder doch als neues Rauschmittel, gekifft wie Cannabis?